Open Source Business Alliance e.V. bietet Netzwerk zur Umsetzung von Open-Source-Software-Projekten

Perspektive auf Do-FOSS

Perspektive auf Do-FOSS

Zur Ausarbeitung Open-Source-Software im geschäftskritischen Einsatz bei der Stadt Dortmund hat der Vorstandsvorsitzende des Open Source Business Alliance e.V. freundlicherweise bereits am 02.09.2013 eine Stellungnahme beigesteuert.

Die Open Source Business Alliance – kurz OSB Alliance – ist Europas größtes Netzwerk von Unternehmen und Organisationen, die Open Source Software entwickeln, darauf aufbauen oder sie anwenden. Ziel der OSB Alliance ist es, Open Source Software und andere Formen offener Zusammenarbeit erfolgreicher zu machen. Die OSB Alliance verwirklicht ihre Ziele durch das Verbreiten von Informationen, das Schaffen von positiven Rahmenbedingungen für Hersteller und Anwender, sowie durch das aktive Vernetzen von Herstellern, Kunden und Dienstleistern. Dabei spielt insbesondere Interoperabilität zwischen verschiedenen Open Source Systemen sowie mit proprietärer Software eine wichtige Rolle. (vgl. osb-alliance.de)

Stellungnahme des Open Source Business Alliance e.V.

[…] die Open Source Business Alliance ist die im deutschen Raum führende, gemeinsame Organisation von Unternehmen – die Open Source Software entwickeln und dafür Dienstleistungen erbringen – sowie von Anwenderorganisationen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Zu unseren Mitgliedern zählen große Konzerne wie IBM oder T-Systems und viele mittelständische Unternehmen, öffentliche Körperschaften und Forschungseinrichtungen.

Die uns von Ihnen überreichte Ausarbeitung Open Source Software im geschäftskritischen Einsatz bei der Stadt Dortmund von Herrn Till Schäfer halten wir in allen wesentlichen Punkten für richtig. Sie stellt eine sehr gute Einführung in das Thema dar und gibt einen guten Überblick.

Gerne weisen wir im Zusammenhang mit der Ausarbeitung auf folgende Punkte hin, die wir für besonders relevant erachten:

  1. In Deutschland (aber auch in anderen europäischen Ländern) gibt es im Open-Source-Software-Umfeld eine große Zahl sehr leistungsfähiger Unternehmen. Diese Unternehmen können nicht nur Pflege und Weiterentwicklung nahezu jeder im professionellen Bereich eingesetzten Open Source Software übernehmen, sondern haben auch umfangreiche Kompetenz bei der erfolgreichen Durchführung zum Teil hochkomplexer IT-Projekte bewiesen.

    Die Stadt Dortmund wäre durch die Verwendung von Open Source Software daher in keiner Weise auf sich selbst gestellt. Im Gegenteil: namhafte Unternehmen stehen bereit und miteinander im Wettbewerb, um die Stadt bei der Einführung und dem Betrieb von Open Source Software zu unterstützen. Durch Open Source Software hätte die Stadt Dortmund bei Ausschreibungen benötigter Leistungen sogar die Möglichkeit, Anbieter zu wechseln ohne die eingesetzte Software wechseln zu müssen. Daraus ergeben sich erhebliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber proprietärer Software.

  2. Der Betrieb jeder Software erfordert einen verlässlichen Partner, der sich um Sicherheit, kontinuierliche Aktualisierung und Support der betreffenden Software kümmert und dafür einsteht. Bei proprietärer Software wird diese Aufgabe in der Regel vom Hersteller der jeweiligen Software übernommen. Kommt dieser seinen Verpflichtungen nicht in der gewünschten Weise nach, verbleibt ausschließlich die Möglichkeit die Software zu wechseln.

    Im Bereich von Open Source Software gibt es gleich mehrere Unternehmen welche Serviceleistungen für Software (Sicherheitspflege, Aktualisierung, Zertifizierungen, Support, usw.) auf hohem Niveau anbieten. Zu den im deutschsprachigen Raum bekanntesten Unternehmen in diesem Bereich zählen Red Hat, Suse und Univention. Auf die Leistungen dieser Unternehmen verlassen sich weltweit praktisch alle großen Konzerne, zahlreiche Regierungsorganisationen und ungezählte kleine und mittelständische Firmen für den Betrieb ihrer geschäftskritischen IT-Systeme.

    Der Wechsel zu Open Source Software ist also keineswegs mit einem Verlust von Sicherheit oder Verantwortlichkeit beim IT-Betrieb verbunden. Im Gegenteil: Die Stadt könnte zwischen verschiedenen Anbietern wählen, die diese Leistungen erbringen und dafür einstehen.

  3. Für den Einsatz von Open Source Software sprechen ebenfalls viele „weichere“ oder strategische Faktoren, wie die Sicherstellung von Transparenz bei Verwaltungshandeln oder die Möglichkeit zur Kooperation mit anderen Städten und deren Verwaltungen.

    Wichtig ist aber auch eine konkrete wirtschaftliche Betrachtung. Hier zeigt sich, dass Open Source Software in einer Großzahl der Fälle nicht nur bei der Beschaffung, sondern auch bei auf mehrere Jahre angelegten Vollkostenbetrachtungen, die insbesondere Migrations-, Schulungs- und Betriebskosten umfassen, deutlich besser abschneidet als proprietäre Software. Dies wurde gerade wieder bei der Stadt München nachgewiesen. Es ist aber auch der Grund dafür, warum praktisch alle Server im Internet mit Open Source Software betrieben werden und warum junge, erfolgreiche IT-Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook auf Open Source Software setzen.

  4. Schließlich möchten wir auf die Bedeutung von Open Source Software für Wertschöpfung und Innovation hinweisen: Ein großer Teil proprietärer Software etwa von Microsoft oder Apple wird nicht in Europa produziert, demzufolge werden Lizenz- oder Pflegegebühren für solche Software zu einem beträchtlichen Teil in die USA transferiert und dort investiert. Open Source Software hingegen kann vor Ort gefertigt und gepflegt werden, was dazu führt, dass entsprechende öffentliche Ausgaben vor Ort versteuert und womöglich reinvestiert werden. Daraus ergibt sich ein nicht unerheblicher fiskalischer, beschäftigungs- und innovationspolitischer Effekt.

    Dieser Effekt verstärkt sich durch die Möglichkeit für Jedermann, Open Source Software zu verbessern. Immer dann, wenn beim Einsatz von Open Source Software Optimierungs- oder Weiterentwicklungspotentiale erkannt werden, entspricht das einer Chance, diese Potentiale auszuschöpfen und daraus Wertschöpfung zu generieren. Nicht selten führt dies zu erfolgreich realisierbaren Geschäftsideen und somit zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und der Stärkung eines IT-Standorts. Bei proprietärer Software besteht dieses Potential nicht oder nur in sehr eingeschränktem Maß, denn hier ist der Hersteller der Einzige, der entsprechende Optimierungen vornehmen kann.

Auch wir möchten der Stadt Dortmund deswegen die Entwicklung und Umsetzung einer Open-Source-Software-Strategie empfehlen und stehen für weitere Schritte gerne zur Verfügung. Sehr würden wir uns freuen, wenn die Stadt Dortmund als zukünftiges Mitglied unserer Organisation unser Netzwerk nutzt, um im Austausch mit anderen Anwendern und Anbietern von vorhandenen Erfahrungen zu profitieren und mit uns Entwicklung und Innovation im Bereich von Open Source Software vorantreibt.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter Ganten
Vorsitzender des Vorstands

Stellungnahme des Open Source Business Alliance e.V. zum Herunterladen

Die Stellungnahme des Open Source Business Alliance e.V. kann hier heruntergeladen werden.

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