Anfrage der Free Software Foundation Europe und Antwort vom Oberbürgermeister

Definition Freier Software

Definition Freier Software. ©FSFE Logo: fsfe.org

In einem Schreiben der Free Software Foundation Europe (FSFE), einem Kooperationspartner von Do-FOSS, an Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau vom 13.05.2016, wurde nach der städtischen Definition Freier Software gefragt. In der bisherigen städtischen Diskussion um Freie Software, wurde der Begriff Freie Software von der Stadt Dortmund lediglich mehrfach im Zusammenhang mit Open Source Software genannt (vgl. Schießle – Freie Software, Open Source, FOSS, FLOSS – gleich und trotzdem anders). Der städtisch verwendete Begriff weist damit zumindest in Richtung eines gewissen Offenheitheitsverständnisses von Software. Aber eine Definition Freier Software, die ein gemeinsames Begriffsverständnis für die Diskussion sichert und die tatsächlichen Vorteile Freier Software ausweist, ist bislang von der Stadt Dortmund nicht erfolgt. Es ist also nicht erkennbar, welche Vorstellung innerhalb der Dortmunder Stadtverwaltung über Freie Software herrscht. Do-FOSS bedankt sich bei der FSFE für ihren Beitrag zur Begriffsschärfung der Dortmunder Debatte.

Mit einem Schreiben vom 30.06.2016 hat Herr Oberbürgermeister Sierau auf das Schreiben der FSFE geantwortet, aber die Definition Freier Software in die Erarbeitung des Masterplans Digitales Dortmund vertagt.

Definitionsanfrage der FSFE im Wortlaut

Definition Freie Software

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau,

seitens der Free Software Foundation Europe beobachten wir die sich entwickelnde Dortmunder Diskussion um Freie Software bereits länger und freuen uns darüber.

Unserer Erfahrung nach ist es gut, dem Begriff der Freien Software auch eine Definition zugrunde zu legen.
Beispielsweise hilft dies zum einen bei der Zielsetzung, zum anderen beugt dies einer Verwechselung mit dem Begriff Freeware vor.

Als Free Software Foundation Europe verwenden wir die folgende Definition:

  1. Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen.
  2. Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen, und es an seine Bedürfnisse anzupassen
  3. Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen
  4. Die Freiheit, ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns mitteilen würden, ob die Stadt Dortmund unter dem Begriff Freie Software ebenfalls diese vier Freiheiten versteht. Falls die Stadt ein hiervon abweichendes Begriffsverständnis hat, würden wir uns freuen, wenn Sie uns mitteilen würden, was Sie unter dem Begriff Freie Software verstehen, damit wir einen gemeinsamen Wissensstand haben.

Vielen Dank für Ihre Antwort. Wir stehen Ihnen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Max Mehl
Koordinator Deutschland

Antwort von Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Wortlaut

Antwort zu der offenen Frage von der Free Software Foundation Europe e.V.
hier: Schreiben Definition Freie Software von der Free Software Foundation e.V. vom 13.05.2016

Sehr geehrter Herr Mehl,

auf Ihr Schreiben zum Thema Definition Freier Software nehme ich Bezug.

Der Masterplan Digitales Dortmund wird die zukünftige digitale Ausrichtung und die damit verbundenen Veränderungsprozesse an der Schnittstelle von Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft (Bürgerinnen und Bürger, Politik, Vereine, Unternehmen, Wissenschaft) beinhalten.

Die Definition des Begriffes Freier Software für die Stadt Dortmund wird im Masterplan Digitales Dortmund aufgegriffen.

Der Masterplan wird im Dialog mit der Stadtgesellschaft erarbeitet. Den Ergebnissen dieser Beratungen möchte ich nicht vorgreifen.

Mit freundlichen Grüßen
Ullrich Sierau

Fazit

Do-FOSS wird die persönliche Zusage zur Definition von Freier Software von Herrn Oberbürgermeister Sierau in die Erarbeitung des Masterplans Digitales Dortmund einbringen. Eine positive Nachricht der Stadt Dortmund ist in diesem Zusammenhang, dass die Ausschreibungsunterlagen der Stadt Dortmund für ihren nächsten Sukzessivliefervertrag PC-Systeme bereits eine Linux-Kompatibilität fordern (vgl. Vergabeunterlagen, S. 49 und S. 50 oder auch die Blätter zu den Mindestproduktanforderungen an städtische PCs hier (Standard PC) und hier (Power PC). Die Stadt Dortmund ist also seitens der Hardware für den Einsatz Freier Software aufgestellt. Bemerkenswert ist hier auch noch eine Bieterfrage im Vergabeverfahren und die entsprechende Antwort der Stadt Dortmund:

Frage:
Sie fordern, dass die angebotenen Geräte Linux kompatibel sind und der Anbieter gegebenenfalls Treibersourcen unbekannter Hardware für openSUSE 13.1 oder höher zur Verfügung stellt. Bei openSUSE handelt es sich um ein Open Source Projekt. Das heißt, hier gibt es keinen Hersteller, bei dem man einen Supportanspruch, z.B. in Form von aktuellen oder neuen Treibern, geltendmachen kann. Hier ist man auf die Zuarbeiten der openSUSE Community angewiesen. Der Anbieter hat somit keinen Einfluss auf die Aktualität der Treiber.
Ist daher ein Verweis auf den Download Bereich der openSUSE Community ausreichend um diese Anforderung als erfüllt anzusehen?

Antwort:
Ja, ein Verweis auf den Download Bereich der openSUSE Community ist ausreichend.

Damit bekennt sich die Stadt Dortmund in ihren Hardwareanforderungen zu Freier Software und bejaht die Möglichkeit mit einer Freien-Software-Community zusammenzuarbeiten. Nun gilt es lediglich noch ein gemeinsames Verständnis Freier Software zu definieren. Danke an die FSFE für diesen Baustein!

Dokumente zum Herunterladen

Das Schreiben der FSFE vom 13.05.2016 kann hier und die Erwiderung von Herrn Oberbürgermeister Sierau vom 30.06.2016 kann hier heruntergeladen werden.

Die Ausschreibungsunterlagen einschließlich der Bieterfragen können hier heruntergeladen werden.

CC0
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2 Kommentare zu “Stadt Dortmund: Definition Freier Software

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