Verwaltung befreit ihre Pressemitteilungen

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In diesem Jahr hat die Stadt Dortmund ihren Internetauftritt vollständig überarbeitet und setzt nun auf ein Responsive Webdesign. Darüber hinaus hat Do-FOSS beobachtet, dass die Pressemitteilungen, welche die Stadt Dortmund auf presse.dortmund.de veröffentlicht, inzwischen überwiegend in Freien Dateiformaten veröffentlicht werden. Diese Entwicklung ist positiv hervorzuheben, da die Stadt Dortmund ihre Pressemitteilungen in der Vergangenheit im geschlossenen bzw. nicht offenen Word-Dokumenten-Format (Dateiendung „.doc“) der Firma Microsoft herausgegeben hat.

Dass Pressemitteilungen in Offenen Formaten veröffentlicht werden hält Do-FOSS für besonders wichtig, damit die Presse nicht in technische Abhängigkeiten gedrängt wird. Alle Presseaktiven – wie z.B. Journalisten und Bloggerinnen – sollten frei über die von ihnen eingesetzte Software und den damit verbundenen Datenschutz und Sicherheitsfragen entscheiden können. Freie Formate verhindern eine digitale Spaltung der Pressearbeit, da sie einen technikneutralen Zugang zu den Informationen ermöglichen.

Do-FOSS freut sich über die Entwicklung bei der Formatwahl bei der Stadt Dortmund und ist zuversichtlich, dass auch in Zukunft von Seiten der Stadt Dortmund auf Offene Formate gesetzt wird. Do-FOSS bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit The Document Foundation, welche Do-FOSS in dem Anliegen tatkräftig unterstützt hat. Den aktuellen Anlass nutzt Do-FOSS dazu die beiden von der Stadt Dortmund verwendeten Offenen Formate PDF und JPEG näher vorzustellen.

PDF

Das Portable Document Format Archive (PDF) ist ein von dem verwendeten Betriebssystem und der genutzten Anwendersoftware unabhängiges Format zum Dokumentenaustausch. Es wurde von der Adobe Systems Corporation entwickelt, um eine formatgetreue Darstellung unabhängig von spezifischer Hard- oder Software zu ermöglichen. Erreicht wird diese Plattformunabhängigkeit in erster Linie dadurch, dass alle Informationen – auch die binären Daten – innerhalb einer PDF-Datei im ASCII-Format codiert werden.
PDF wurde erstmals als das von Acrobat 1 primär verwendete Dateiformat veröffentlicht. Lange Zeit war das nicht editierbare PDF ein umfangreich durch gewerbliche Schutzrechte abgesichertes, jedoch von Adobe offen dokumentiertes Dateiformat. So ist es bereits anderen Softwareherstellern möglich gewesen, eigene Lösungen zu entwickeln, um Dokumente in das PDF zu übertragen sowie PDF-Dokumente mit eigenen Softwareangeboten darzustellen.
Das PDF wurde 2008 in diesem bereits offengelegten Umfang von der ISO standardisiert. Jedenfalls in der Form des ISO Standards PDF/A ISO 19005-1 handelt es sich beim PDF unstrittig um einen offenen Standard. Denn ab dieser Entwicklungsstufe werden die Spezifikationen unter Royalty-Free-Bedingungen [frei von wiederkehrenden Lizenzzahlungen — Anm. d. Verf.] veröffentlicht und in einer konsensorientierten Weise weiterentwickelt, sodass sie mittlerweile für alle Marktteilnehmer umsetzbar sind. Die Spezifikationen umfassen 1000 Seiten und können bei der ISO gegen eine einmalige Schutzgebühr erworben werden. Als nicht editierbares Dateiformat ist das PDF herstellerunabhängig verbreitet und plattformunabhängig implementiert. Einige Editiermöglichkeiten behält Adobe allerdings bis heute für sein proprietäres Adobe Acrobat vor.
Das PDF gilt mittlerweile als ausformuliert, große Innovationssprünge sind nicht mehr zu erwarten.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 373, Dr. Felix Greve, 2015

JPEG

JPEG ist die gebräuchliche Bezeichnung für die 1992 vorgestellte Norm ISO/IEC 10918-1 bzw. ITU-T Recommendation T.81, die verschiedene Methoden der Bildkompression beschreibt. Genau genommen bezeichnet JPEG dabei die hinter dem Standard stehende Gruppe von Herstellern und Experten, die Joint Photographic Experts Group. Zusammen mit […] dem [Format] GIF ist JPEG das heute am Weitesten verbreitete Verfahren zur Komprimierung von Bilddateien. Anders als GIF handelt es sich bei dem JPEG-Format allerdings um eine verlustbehaftete Komprimierungstechnik.
Nach den Aussagen der Joint Photographic Experts Group kommt der größte und wichtigste Beitrag für die Entwicklung des Dateiformats aus der Arbeit der Independent JPEG Group (IJG) und von Tom Lane, deren Freie Software Referenzimplementation maßgeblich zum Erfolg von JPEG beigetragen habe. Diese Freie Software konnte von vielen Firmen in deren Produkte, wie Bildeditoren oder Webbrowser integriert werden. Die Joint Photographic Experts Group realisiert dabei zwar die Bedeutung der Möglichkeit, die Kernelemente des Standards lizenzfrei zu implementieren, kann aber wegen des Gesamtzusammenschlusses von unterschiedlichen Herstellern und Technologien keine Garantie dafür übernehmen. Jedenfalls sind einige Erweiterungen nur unter einer (F)RAND Lizenz [1], also nicht royalty-free umsetzbar.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 382, Dr. Felix Greve, 2015

[1] (F)RAND

Die Abkürzung (F)RAND steht für ‚(Fair), Reasonable und Non-Discriminatory‘, was als ‚chancengleich, angemessen und nicht diskriminierend‘ übersetzt werden kann. Damit sollen auf der einen Seite Mitbewerber vor übertriebenen einseitig ausgestalteten Nutzungsbedingungen und vor allen Dingen vor überhöhten Lizenzzahlungen geschützt werden. Auf der anderen Seite sollen dem Eigentümer angemessene Lizenzvergütungen und anderweitige Vorteile verbleiben. Die Höhe der wiederkehrenden Zahlungen wird bei dieser Lizenzform zumeist von der Implementationsmenge und/oder den geplanten Einsatzgebieten abhängig gemacht.

Die staatliche Gewährleistungsverantwortung für offene Standards, S. 84, Dr. Felix Greve, 2015

CC0
Soweit im gesetzlichen Rahmen möglich verzichtet der Autor auf alle Urheber- und damit verwandten Rechte an diesem Werk.
Es kann beliebig genutzt, kopiert, verändert und veröffentlicht werden.
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6 Kommentare zu “Pressemitteilungen der Stadt Dortmund in Offenen Formaten

  1. Der Fortschritt ist zweischneidig. De facto kann man Word-Dateien, die nur Text enthalten, problemlos mit LibreOffice etc. auf allen relevanten Plattformen öffnen und problemlos weiter verarbeiten, was bei PM durch die Hauptnutzer-Gruppe i. d. R. erfolgt. Für den redaktionellen Workflow ist das kein Fortschritt, jetzt immer sich um die Nachbearbeitung bei den Absätzen zu kümmern, um den Überblick zu behalten.

    • doc ist ein proprietäres Format, dass keine öffentliche und frei (i.S.v. Freiheit) implementierbar Dokumentation besitzt und dabei auch je nach Version von Word verschieden ist. Nur weil LO doc öffnen kann, ist es nicht frei. Man könnte über docx, oder Office Open Document diskutieren. Aber selbst dort, obwohl ISO-Standard, sind nichtfreie Komponenten enthalten. Pressemittelungen in PDF oder Plaintext sind ein guter Weg.
      Für den Satz müssen die Formatierungen sowieso angepasst werden und nur ein schlechter Journalist macht Paste&Copy

    • Hallo Norbert,
      vielen Dank für deine praktische Beleuchtung des Sachverhalts. Aus unserer Sicht spräche nichts dagegen die Pressemitteilungen *zusätzlich* in offenen veränderbaren Formaten (z.B: Open Document Format / ODF / ODT) zu veröffentlichen. PDF hat aber z.B. auch den Vorteil, dass dieses auch ohne Probleme auf nahezu allen Smartphones/Tablets etc angezeigt werden kann. Es ist daher aus unserer Sicht nicht durch Dokumentenformate wie ODT oder DOC(X) ersetzbar. Zudem sollte aus unserer Sicht berücksichtigt werden, dass der DOC-Support in Libre/Open-Office auf aufwändiges Reengineering zurückzuführen ist, da das Format eben nicht offen standardisiert wurde . An dieser Stelle muss also von der Allgemeinheit ein erheblicher Mehraufwand im Vergleich zu Offenen Formaten geleistet werden, welcher zu vermeiden wäre. Zudem kommt es durch diese unvollständige Dokumentation der Formate (für die Öffentlichkeit) häufig zu Problemen bei der Formatierung, etc. Proprietäre Formate stellen damit, insbesondere bei Monopolstellungen wie z.B. bei MS-Office, eine Marktverzerrung zu Gunsten des proprietären Herstellers dar. Wir finden aber, dass sich die beste technische Umsetzung und/oder eine Vielzahl von unterschiedlichen (für jeden einzelnen passende) Lösungen und nicht die am besten gegen Konkurrenz gesicherte Monopolstellung durchsetzen sollte.

  2. Hallo frlan,
    Hallo Till,
    mir geht es gar nicht darum, *doc zu verteidigen, ganz im Gegenteil. Ich bin auch ein Freund von offenen Standards. Dennoch gibt es neben der politischen Dimension immer auch noch eine alltagspraktische Dimension (und von der sprach ich hier) und da will die Zielgruppe eine PM schnell weiterverarbeiten können und z. B. eine Absatz als Zitat übernehmen. Dafür eigenen sich Text-Dokumente deutlich besser als eine PDF. Am liebsten wäre mir, die PM ständen einfach so auf der Webseite, damit man die vernünftig als Quelle verlinken kann. (PDF und/oder Text-Dokument der PM sind für mich Zusatz-Angebote) Direkte Links auf PDF/Textdateien auf anderen Seiten sollte man m. E. vermeiden – das muss ich glaub ich hier nicht näher begründen. Das Abrufen einer „normalen“ Webseite sollte zudem schneller gehen und setzt keine weitere Software als einen Browser voraus und ist – bei responsivem Design – auch kompatibler mit unterschiedlichen Bildschirmgrößen als eine PDF. Gerade wenn man online arbeitet, finde ich es der Leserschaft gegenüber sinnvoll, die Quellen zu verlinken, damit man bei Interesse sich die ganze Meldung ansehen kann. Daher finde ich das ein wichtiges Thema. Dabei gibt es bei der Stadt Dortmund noch ein anderes Problem: Wenn eine PM Anhänge hat, kann man nicht mit einem Link auf eine PM inkl. Anhänge verlinken, wie es z. B. bei der Polizei möglich ist. (Beispiel: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/4971/3792246)

    Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, auch mal eine PM zu veröffentlichen, wenn es allein darum geht einen Sachverhalt zu transportieren und die PM vernünftig verfasst ist und das klar gekennzeichnet wird. Das zwanghaft umzuschreiben bringt keinen Gewinn und verwässert höchstens. Ich würde meine Leser*innen zutrauen, dass die aus der Kennzeichnung als PM sich erschließen, dass die PM die Sicht von XYZ wiedergibt. und man kann zudem transpartent kürzen […].

    Und zu euren Darstellungsproblemen: Das Anspruchsvollste, was in 99 % aller PM verwendet wird bei der Formatierung sind Fettdruck, Unterstreichung, Schriftgröße … Für die Gattung sind die von euch genannten Probleme irrelevant. Das sind keine Master-Arbeiten mit Tabellen, Verzeichnissen, Kopfzeilen, Querverweisen etc. Das sind ein paar Zeilen Fließtext bei dem zudem völlig egal ist, ob ein Wort noch in der einen oder schon in der nächsten Zeile steht. Das schon Word zwischen zwei Rechnern unterschiedliche Ansicht bedingt, weiß ich auch, aber das ist bei der Arbeit als Journalist belanglos. Wenn es abends später geworden ist, reicht einem die Gästecoach, in einem gebuchten Hotel wäre das nicht ok.

    • Hallo Norbert,
      danke für deine Kommentare. Aktuell stellt die Stadt leider lediglich die letzten 100 Pressemitteilungen auf ihrer Homepage zur Verfügung. Warum die Pressemitteilungen kein dauerhaftes Archiv haben, weiß ich nicht (aber schlecht wäre es nicht). Wegen dieser Beschränkung, lässt sich derzeit auch nicht zuverlässig auf Pressemitteilungen verlinken (100 Pressemitteilungen überdauern bei der Organisationsgröße der Dortmunder Stadtverwaltung keinen Monat auf der Homepage ). Ansonsten fände ich es ebenfalls schön, wenn es die Pressemitteilungen direkt in HTML (als Offenem Standard) gäbe. Dann gäbe es auch keinen Medienbruch. Ein zusätzliches Angebot, die Pressemitteilungen als PDF bereitzustellen, wäre ja auch noch möglich.

  3. Hallo Christian,

    die Links funktionieren auch länger, aber man kann sich nicht „neu finden“ auf der Seite der Pressestelle. Noch verfügbare Dateien auf dem Server sind aber kein Archiv, obwohl ich das als State-of-the-art bei einer so großen Stadt ansehen. Optimal finde ich die Lösung HTML + ergänzend Text + PDF als Download + Anhänge/Grafiken etc. – Gibt es selten, aber immer wieder mal.

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