Der digitale Lebensraum

Bild: Der digitale Lebensraum

Wer verfügt darüber? – Pauluskirche & Kultur 2016-2017

Do-FOSS war am 13. Juni 2017 mit dem Vortrag Der digitale Lebensraum – Wer bestimmt? zu Gast bei der Veranstaltungsreihe Wer verfügt darüber? in der Dortmunder Pauluskirche, welche im Anschluss auch Kooperationspartner von Do-FOSS geworden ist. In diesem Vortrag hat Do-FOSS die gesellschaftlichen Implikationen von Freier Software auf unsere digitale Selbstbestimmung thematisiert und zu einer anschließenden Diskussion geladen.

Die Veranstaltungsreihe selbst ging über Freie Software hinaus und befasste sich mit weiteren Themenfeldern, in denen Nutzungsrechte einen Einfluss auf die Selbstbestimmtheit und Mündigkeit haben. Do-FOSS war Impulsgeber der Veranstaltungsreihe in der Pauluskirche und freut sich über die spannenden Themenabende bezüglich Zugang und Verfügungsrechten zu lebensnotwendigen Grundgütern. Bei den einzelnen Veranstaltungen wurde gefragt, welches Verständnis wir heute von Mündigkeit haben, wenn es um Zugang und Verfügungsrechte von basalen Lebensgütern wie Wasser, Saatgut, Medikamenten, Energie und Software geht. In der Kürze zusammengefasst, sind die Leitfragen aus den bisherigen Vorträgen:

  • Was ist Gemeingut?
  • Mit welchen technischen oder rechtlichen Abhängigkeiten werden basale Lebensgüter in Märkten belegt?
  • Wie hängen Finanzierungsmodelle mit dem Zugang zu basalen Lebensgütern zusammen?
  • Inwiefern wird Wissen über den Umgang mit basalen Lebensgütern eingehegt? Ist Wissen rückholbar in die Gesellschaft?
  • Wie können wir uns organisatorisch gemeinsam und gemeinschaftlich eines Gemeinguts annehmen?
  • Wann sind basale Lebensgüter frei?

Die Veranstaltungen waren alle in sich bereichernd und Do-FOSS möchte sich noch einmal bei allen Vortragenden und Mitwirkenden herzlichst bedanken. Bei dem Thema Saatgut wurde die lizenzrechtliche Parallele zur Kernproblematik, die Do-FOSS auch in Bezug auf Software wahrnimmt, besonders deutlich. Hierzu hat Do-FOSS einen Saatgut-Software-Vergleich vorgenommen. In beiden Märkten gibt es eine gezielte Herbeiführung von Herstellerabhängigkeit durch das Verbot der Weitergabe und Weiterentwicklung. Die Auswirkungen dieser Abhängigkeitsstruktur auf unsere digitale Selbstbestimmung sind ebenso vielschichtig wie die Auswirkungen von Hybridsaatgut auf unsere Ernährungssouveränität.

Vortrag: Selbstbestimmung im digitalen Lebensraum?



Link zum Video
Der Vortrag wurde von RegenbogenTV mitgeschnitten. Link zu YouTube!

Um uns im digitalen Lebensraum zu bewegen, benötigen wir Software. Sie begleitet uns durch unseren Tag und ermöglicht uns, unsere Vorstellungen umzusetzen. Wir beziehen Informationen durch sie, bewegen uns mit ihr in Netzen und kommunizieren mit ihrer Hilfe. Software ermöglicht uns also Dinge zu tun, definiert jedoch auch die Grenzen unseres digitalen Handelns. Doch wer definiert diese Möglichkeiten und Grenzen? In der digitalen Welt führt diese Frage zu dem Begriff des geistigen Eigentums. Der Eigentümer einer Software definiert, wer diese benutzen darf und auf welche Art die Software benutzt werden darf.

Was jedoch eher unbekannt ist: Häufig wird Software nicht gekauft, sondern es wird lediglich eine begrenzte Nutzungserlaubnis erworben. Damit gehört die Software weiterhin dem Hersteller und nicht dem Anwender. Diese Art von Software wird als proprietär bezeichnet.


Schema zum proprietären Modell
Das proprietäre Modell

Der Gegenentwurf dazu ist Freie Software. In ihrem Kern unterscheiden sich proprietäre und Freie Software also in der Regelung des Eigentums. Freie Software ist in dem Sinne frei, dass ihr Eigentum auf niemanden eingeschränkt ist, womit sie Gemeingut ist und allen gehört. Dies sichert uns ein erforderliches Maß an digitaler Selbstbestimmung.


Schema zu Freier Software
Das Freie-Software-Modell

Warum könnte uns digitale Selbstbestimmung wichtig sein? Oder im Kontext des Titels der Veranstaltungsreihe: Wer verfügt über unsere Möglichkeit digital selbst zu bestimmen?

Mit der fortschreitenden Digitalisierung öffnen sich diese Fragestellungen der digitalen Selbstbestimmung einem immer weiteren Themenfeld. Von gesellschaftlichen Akteuren wird derzeit unter dem Begriff Smart City diskutiert, wie eine weitreichende Digitalisierung des öffentlichen Raums gestaltet sein könnte. Weniger offen wird dabei die Frage diskutiert, wer die Kontrolle über die Smart-City-Software und die von ihr generierten Daten haben wird. Wenn wir unser Lebensumfeld im Sinne einer Smart City mit Sensoren und Überwachungstechnik zur Datenerzeugung ausrüsten, stellt sich aber nicht nur die Frage nach Verfügungsrechten. Es stellen sich zugespitzt auch Fragen wie: Wie verändern sich unsere privaten und beruflichen Motive im Bewusstsein eines umfassenden Überwachungspotenzials?

Die Stadt Dortmund arbeitet derzeit an ihrer Position als Pilotprojektstadt Smart City und möchte in Europa eine Vorreiterrolle besetzen. Der „Dortmunder Weg“ könnte damit prägend für Europa sein. Entsprechend groß ist ein multinationales Unternehmens- und Konzerninteresse an der Dortmunder Verwaltung geworden.

Über grundlegende Zusammenhänge, die vom einzelnen Anwender zu Hause am Computer bis hin zu stadtgestalterischen Fragen reichen, hat Do-FOSS in der Pauluskirche informiert und möchte darüber zu einer gesellschaftlichen Debatte beitragen.

Dokumente zum Herunterladen

Die Vortragsfolien Do-FOSS können hier und die Videoaufzeichnung kann hier heruntergeladen werden. Gesammelte Informationen zur Smart City Dortmund können hier heruntergeladen werden.

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