Ergänzende Informationen zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018

AG Freie Software

Bild: AG Freie Software

Die Stadt Dortmund konkretisiert den Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 und ergänzt ihre Pressemitteilung durch einen Anhang mit Hintergrundinformationen.

In dem Anhang befindet sich unter anderem eine Konkretisierung der Zielvorstellungen der Stadt Dortmund für den Einsatz von Freier Software und Offener Standards. Zudem werden diese in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet. Darüber hinaus werden Definitionen für die Begriffe der Freien Software und Offener Standards gem. der Free Software Foundation Europe (FSFE) angeführt.

Für Do-FOSS ist es wichtig, dass in der Arbeitsgruppe Freie Software einheitliche Zielvorstellungen sowie ein gemeinsames grundlegendes Begriffsverständnis für Freie Software und Offene Standards entwickelt wurden. Gleichzeitig freut es Do-FOSS, dass sich die Stadt Dortmund der FSFE als zentralem Akteur der Freien-Software-Community an dieser Stelle annähert und dies auch nach außen kommuniziert.

Die FSFE hatte sich bereits im Mai 2016 mit einer Anfrage zur Definition von Freier Software an Herrn Oberbürgermeister Ullrich Sierau gewandt. Do-FOSS dankt der FSFE an dieser Stelle noch einmal für ihr langfristiges Engagement und die intensive, vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Anhang des Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards im Wortlaut

Anhang zur Pressemitteilung: Hintergrundinformationen

Allgemein ist ein vielfältiger Trend zu digitaler Vernetzung zwischen Menschen, Dingen und Arbeitsprozessen zu erkennen. Die wachsende Bandbreite an digital erschlossenen
Anwendungsfeldern wird dabei von einer stetig wachsenden Anzahl von Softwareprodukten und Geräteklassen bewältigt. Die Stadtverwaltung ist von dieser komplex-dynamischen Entwicklung ebenfalls berührt. So stehen die Leistungen der Verwaltung zunehmend digital zur Verfügung; verwaltungsinterne Prozesse werden digital unterstützt oder automatisiert. Aus Verwaltungssicht stellt sich die IT-Landschaft als Umfeld mit unterschiedlichen Akteuren, wie Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Behörden, dar. Die technischen Anforderungen, welche sich daraus ergeben, erfordern ein hohes Maß an IT-Flexibilität.

Zu den Zielvorstellungen bei einem möglichen Einsatz von Freier Software und Offenen Standards in der Stadtverwaltung Dortmund gehören die folgenden Aspekte:

  • Reduzierung der Herstellerabhängigkeit
  • Umsetzung des E-Government-Gesetzes NRW im Rahmen von offenen und standardisierten Dateiformaten
  • Erhöhung der Flexibilität und Steuerungsfähigkeit beim Softwareeinsatz
  • Erhöhung der Interoperabilität (z.B. durch den Einsatz von Offenen Standards für eine herstellerübergreifende Anwendungskopplung) [Erhöhung der digitalen Anschlussfähigkeit – Anm. d. Verf.]
  • Sicherstellung des Datenschutzes [s. auch Trans­parente Software – eine Voraus­setzung für daten­schutzfreundliche Technolo­gien vom 26.09.2000 des Arbeitskreises Technische und orga­nisatorische Datenschutzfragen der Konfe­renz der Daten­schutzbeauftragten des Bundes und der Länder – Anm. d. Verf.]
  • Gewährleistung der IT-Sicherheit
  • steuerbare Kostenstrukturen durch erhöhte Flexibilität bei der Anbieterwahl, Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber Anbietern proprietärer Software und Wegfall von Skalierungskosten durch Lizenzgebühren
  • Erhöhung der Archivierbarkeit digitaler Dokumente durch Offene Standards
  • Ermöglichung neuer Synergien und Abbau von lizenzrechtlichen Hemmnissen in der interkommunalen Zusammenarbeit
  • eine erhöhte Technikneutralität
  • eine Erhöhung der funktionalen Transparenz

Zudem hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass Freie Software bzgl. Energieeffizienz, Hardwareschonung (geringere Hardwareanforderungen und längere Lebenszyklen) und digitaler Nachhaltigkeit einen entscheidenden Beitrag im Bereich der Ressourcenschonung leisten kann. (vgl. Dokumentation des Fachgesprächs „Nachhaltige Software“ am 28.11.2014, http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/nachhaltige-software)

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Freie Software

Freie Software ist Software, die die folgenden vier Freiheiten einräumt:

  • Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen.
  • Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen, und es an seine Bedürfnisse anzupassen
  • Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen
  • Die Freiheit, ein Programm zu verbessern, und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert

Definition gem. Free Software Foundation Europe: Offener Standard

Ein Offener Standard bezieht sich auf ein Format oder Protokoll, das:

  • öffentlich zugänglich ist, zur öffentlichen Bewertung und Verwendung, ohne Einschränkungen und für alle beteiligten Teilnehmer gleichwertig,
  • ohne Bestandteile oder Erweiterungen ist, deren Abhängigkeiten wiederum selbst nicht der Definition eines Offenen Standards entsprechen,
  • frei von rechtlichen oder technischen Bestimmungen ist, die die Verwendung von irgendeinem Beteiligten oder Geschäftsmodell einschränken,
  • unabhängig von einem einzigen Anbieter in einem Prozess weiterentwickelt wird, der offen für eine gleichberechtigte Beteiligung von Wettbewerbern und Drittanbietern ist,
  • verfügbar in mehreren vollständigen Implementierungen ist, entweder von konkurrierenden Anbietern, oder als eine vollständige Implementierung, die gleichberechtigt verfügbar für alle Beteiligten ist.

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Der Anhang zum Beschluss des Verwaltungsvorstands zu Freier Software und Offenen Standards vom 10.04.2018 kann hier heruntergeladen werden.

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Ein Kommentar zu “Stadt Dortmund konkretisiert Potenzialanalyse einer Freien-Software-Strategie

  1. Der Einsatz offener und freier Software scheiterte bisher immer am fehlenden Angebot. Microsoft Office aus den Verwaltungen zu drängen ist schon schwer genug, sollte aber noch eines der leichtesten Probleme sein. Viel schwieriger ist es, die Fachanwendungen, in denen die wirklich interessanten Daten stecken, offen und frei zu machen.

    Es fehlt eine Arbeitsgruppe, die eine solche Software entwickelt. Im Wesentlichen handelt es sich bei den Fachverfahren um Register, die durch Änderungen eben „verwaltet“ werden. So manches Fachverfahren sollte sich z. B. durch eine Kombination von Datenbank (mySQL) und Weboberfläche (phpmyadmin) schon ersetzen oder erstellen lassen.

    FW

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