Offenkundige Widerprüche der Stadt Dortmund bzgl. ihrer kritischen Infrastruktur

Beratung über Freie Software

Bild: Beratung über Freie Software

In Anlehnung an Fragen von Do-FOSS ließen sich die Mitglieder des Ausschusses für Personal und Organisation (APO) in der Sitzung vom 27.11.2015 mittels einer Anfrage der Fraktionsgemeinschaft DIE LINKE&PIRATEN mündlich Bericht des Dortmunder Systemhauses (dosys.) erstatten. Do-FOSS wohnte der öffentlichen Sitzung bei und fragt sich in dem Blogbeitrag Ausschuss für Personal und Organisation beantwortet Fragen zum IT-Arbeitsprogramm 2015, warum Do-FOSS als Bürgerinitiative auf dieselben Fragen mit Schreiben vom 16.09.2015 teilweise entgegengesetzte Einschätzungen des dosys. erhalten hat, als die Mitglieder APO. So wurde z.B. auf die Frage, ob die städtische IT-Infrastruktur von der Firma Microsoft dauerhaft abhängig sei, Do-FOSS mit Ja und den APO-Mitgliedern mit Nein geantwortet.

Antwort an Do-FOSS im Wortlaut

  • Ist die gegenwärtige städtische IT-Infrastruktur von der Firma Microsoft dauerhaft abhängig?

Ja, aber es gibt auch weitere Abhängigkeiten zu SAP, IBM, HP, CISCO, AKDB, ADOBE, SuSe, APPLE, ORACLE etc.

  • Ist die gegenwärtige städtische IT-Infrastruktur von Firmen abhängig, deren Produkte auf die Anwendungskopplung mit den Büroanwendungen des Officepakets der Firma Microsoft angewiesen sind?

Ja, 44 von 53 betriebskritischen Anwendungen benötigen zwingend Microsoft Office.

Antwort an den APO im Wortlaut

  • Ist die gegenwärtige städtische IT-Infrastruktur von der Fa. Microsoft dauerhaft abhängig?

Die städtische IT-Infrastruktur ist dauerhaft nicht [Hervorhebung im Original – Anm. d. Verf.] von der Fa. Microsoft abhängig.
Im Bereich der Office-Anwendungen hat es in der Vergangenheit viele Produktwechsel gegeben (z.B. PC-Text, AmiiPro). Der nächste Produktwechsel im Bereich der Office-Anwendungen ist geplant für das Jahr 2023 (Vorlauf für Entscheidungsvorbereitung erforderlich).
Geht die Fa. Microsoft in Insolvenz, wird ein anderer Softwareanbieter diesen Marktstandard besetzen.

  • Ist die gegenwärtige städtische IT-Infrastruktur von Firmen abhängig, deren Produkte auf die Anwendungskopplung mit den Büroanwendungen des Officepakets der Fa. Microsoft angewiesen sind?

Die städtische IT-Infrastruktur ist gegenwärtig nicht von Firmen abhängig, Beispiel:
Einwohnermelde-Anwendung ok.Ewo (Softwareanbieter AKDB).
Folgende Alternativen sind am Markt: 1. Meso, 2. Lösung der Landeszentrale Baden-Württemberg. Derzeitig soll nicht gewechselt werden.

Das Protokoll der APO-Sitzung vom 27.11.2015 ist erst kürzlich veröffentlicht worden. Mit dem Protokoll gibt es nun einen Beleg für die diametral entgegengesetzten Antworten an Do-FOSS und die Mitglieder des Ausschusses für Personal und Organisation. Do-FOSS erwartet, dass die Stadt Dortmund die sich widersprechenden Antworten an Do-FOSS als Bürgerinitiative und an die Mitglieder des Ausschusses für Personal und Organisationen auflöst und Klarheit über die Herstellerabhängigkeit der städtischen Software als Teil ihrer kritischen Infrastruktur schafft. Hierzu hat Frau Stadträtin Jägers bereits angekündigt den Themenkomplex „Einsatz von Freier Software“ im Masterplan „Digitales Dortmund“ aufzugreifen.

Aufgrund der widersprechenden Antworten sieht Do-FOSS insbesondere die Antwort der Stadt Dortmund zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN als nicht zielführend an. Die GRÜNEN griffen Überlegungen zur Herstellerabhängigkeit bzgl. proprietärer Software auf und schlugen eine Risikoanalyse vor. Die Betrachtung von Freier Software wurde als möglicher Ausweg aus dem Risiko der Herstellerabhängigkeit angeregt.

Dass die Herstellerabhängigkeit der Stadt Dortmund auch eine vergaberechtliche Dimension hat, bei der die Stadt Dortmund ebenfalls widersprüchlichen Aussagen getätigt hat, wurde von Do-FOSS bereits in diesen Blogposts aufgearbeitet:

Fazit

Die Stadt Dortmund möchte in diesem Jahr einen Masterplan „Digitale Stadt“ vorstellen. Im Vorfeld bestehen verschiedene inhaltliche Widersprüche. Do-FOSS sieht den Masterplan als Chance diese Widersprüche auflösen.

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2 Kommentare zu “Protokoll belegt widersprüchliche Antworten an Do-FOSS und die Mitglieder des APO

  1. Pingback: Ausschuss für Personal und Organisation – Protokoll der Sitzung vom 27.11.2015 - Do-FOSS

  2. Pingback: Fragen zur Softwarevergabe: erneut unbeantwortet von Frau Stadträtin Diane Jägers - Do-FOSS

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